Viele Menschen beschäftigen sich intensiv mit Ernährung, Training oder Leistungssteigerung und verlieren dabei den Blick für etwas Grundlegendes: das eigene Körpergefühl. Cornelius Schelling beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, warum Menschen ihrem Körper im Alltag immer weniger zuhören und welche Folgen das für Gesundheit und Belastbarkeit hat.
Herr Schelling, viele Menschen beschäftigen sich intensiv mit Training, Bewegung und Leistungsfähigkeit. Warum geht dabei oft der Kontakt zum eigenen Körper verloren?
Weil der Fokus stark auf Zielen liegt. Wiederholungen, Intensität, Fortschritt. Der Körper wird dabei wie ein Werkzeug behandelt, das funktionieren soll. Wahrnehmung spielt eine untergeordnete Rolle. Viele spüren erst dann etwas, wenn der Körper deutlich reagiert.
Welche Folgen hat das für den Umgang mit dem eigenen Körper?
Der eigene Zustand wird weniger wahrgenommen. Belastung wird gesteigert, ohne zu prüfen, ob ausreichend Regeneration stattfindet. Das kann lange funktionieren, führt aber irgendwann zu Erschöpfung, Spannungen oder Verletzungen. Der Körper wird übergangen, statt einbezogen.
Bewegung gilt als gesund. Kann sie auch Teil des Problems werden?
Ja, wenn sie nicht zum Zustand passt. Bewegung ist wichtig, aber sie ersetzt keine Erholung. Wer dauerhaft unter Spannung steht und weiter belastet, verschärft das Ungleichgewicht. Entscheidend ist nicht die Aktivität an sich, sondern das Verhältnis von Belastung und Regeneration.
Woran erkennen Menschen, dass sie ihren Körper übergehen?
Oft an kleinen Veränderungen. Der Schlaf wird weniger erholsam. Die Regeneration dauert länger. Die Grundspannung bleibt hoch. Viele nehmen das hin und betrachten es als normalen Begleiteffekt eines aktiven Lebens.
Welche körperlichen Signale werden besonders häufig ignoriert?
Chronische Müdigkeit, innere Unruhe und das Gefühl, trotz Pausen nicht wirklich zu regenerieren. Auch Reizbarkeit oder das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen, sind Hinweise. Diese Signale sind eindeutig, werden aber selten ernst genommen.
Welche Rolle spielt Regeneration im Vergleich zu Training?
Regeneration ist die Voraussetzung dafür, dass Training wirkt. Anpassung entsteht nicht durch Belastung allein, sondern durch Erholung. Ohne ausreichende Regeneration bleibt der Körper im Stresszustand, selbst wenn das Training moderat erscheint.
Viele Menschen möchten ihren Körper optimieren. Wann wird dieser Wunsch problematisch?
Wenn Optimierung wichtiger wird als Wahrnehmung. Der Körper ist kein Objekt, das man beliebig steuern kann. Er reagiert individuell. Gesundheit und Leistungsfähigkeit entstehen durch passende Reize, nicht durch maximale.
Welche Bedeutung hat das Körpergefühl im Alltag, abseits von Training?
Es ist ein Orientierungssystem. Es zeigt, wann etwas zu viel ist und wann etwas guttut. Wer dieses Gefühl ernst nimmt, trifft bessere Entscheidungen. Nicht nur beim Sport, sondern auch im Alltag, bei Arbeit, Stress und Erholung.
Wie kann man beginnen, den Kontakt zum eigenen Körper wieder zu stärken?
Indem man langsamer wird. Nicht im Sinne von weniger Aktivität, sondern von mehr Aufmerksamkeit. Wie fühlt sich der Körper nach Belastung an. Wie nach Ruhe. Diese einfachen Beobachtungen schaffen Verbindung.
Wie arbeiten Sie mit Menschen, die diesen Kontakt verloren haben?
Zunächst geht es um Einordnung. Viele spüren, dass etwas nicht mehr passt, können es aber nicht klar benennen. In Gesprächen wird sichtbar, wie Alltag, Belastung und Erholung zusammenspielen. Es geht nicht um Vorgaben, sondern darum, das eigene Körpergefühl wieder ernst zu nehmen.
Welche Rolle spielt Wissen im Vergleich zur Erfahrung?
Wissen kann helfen, Zusammenhänge zu verstehen. Erfahrung entsteht durch Wahrnehmung. Erst wenn beides zusammenkommt, entsteht ein gesunder Umgang mit dem eigenen Körper.
Abschließend gefragt: Was bedeutet für Sie ein langfristig gesunder Umgang mit dem Körper?
Den Körper nicht als Werkzeug zu betrachten, sondern als Partner. Belastung und Erholung gehören zusammen. Wer diese Balance respektiert, bleibt langfristig leistungsfähig und stabil.
Sie möchten Ihren Körper nicht nur trainieren, sondern wirklich verstehen?
Wenn Sie lernen wollen, Belastung, Regeneration und Körpergefühl besser einzuordnen, begleitet Cornelius Schelling Menschen dabei, einen bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit dem eigenen Körper zu entwickeln.